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Verpflichtendes Kindergartenjahr vor Schuleintritt

In Kärnten wurde bereits im Jahr 2008 das verpflichtende Kindergartenjahr für Kinder im letzten Jahr vor Schuleintritt gesetzlich festgelegt.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen die große Bedeutung von vorschulischen Bildungsprozessen, wobei die Förderung im Bereich der Basiskompetenzen (soziale Kompetenz, Lernkompetenzen usw.) im Mittelpunkt der pädagogischen Überlegungen steht. Die optimale Vorbereitung auf die Schule kann als ein wesentlicher gesellschafts- und bildungspolitischer Auftrag des Kindergartens angesehen werden.

Der Kindergarten hat die Aufgabe, im verpflichtenden Kindergartenjahr durch entwicklungsgemäße Erziehung und Bildung die körperliche, seelische, geistige, sittliche und soziale Entwicklung der Kinder im besonderen Maß zu fördern und nach erprobten Methoden der Kleinkindpädagogik die Erreichung der Schulfähigkeit zu unterstützen.

Im Rahmen dieser Verpflichtung müssen die Kinder nach einem eigens dafür erstellten Bildungsplan in folgenden Bereichen gefördert werden:

a) Emotionen und soziale Beziehungen
b) Ethik und Gesellschaft
c) Sprache und Kommunikation
d) Bewegung und Gesundheit
e) Ästhetik und Gestaltung
f) Natur und Technik

Der Kindergarten hat auch durch geeignete Maßnahmen einen harmonischen Übergang zur Schule anzustreben.


Wer ist in diese Verpflichtung eingebunden?

  • Die Gemeinden haben dafür Sorge zu tragen, dass für jedes Kind, das in der Gemeinde seinen Hauptwohnsitz hat, innerhalb eines Gemeindegebietes oder einer für das Kind zumutbaren Entfernung außerhalb des Gemeindegebietes einen Kindergartenplatz zur Verfügung gestellt wird.
  • Die Erziehungsberechtigten sind verpflichtet dafür zu sorgen, dass ihr Kind, das seinen Hauptwohnsitz in Kärnten hat, im letzten Jahr vor Schuleintritt einen Kindergarten besucht. Es liegt im freien Ermessen der Erziehungsberechtigten, welchen Kindergarten ihr Kind im Sinne dieses Gesetzes besucht.


In welchem Zeitausmaß liegt der verpflichtende Besuch?

Das zum Kindergartenbesuch verpflichtete Kind hat den Kindergarten an mindestens vier Tagen der Woche für insgesamt 16 Stunden zu besuchen. Die Besuchspflicht gilt nicht an schulfreien Tagen.

Gerechtfertigte Verhinderung von dem Besuch sind:

a) Eine Erkrankung des Kindes oder eines Angehörigen
b) Eine urlaubsbedingte Abwesenheit bis zu einem Ausmaß von drei Wochen
c) Ein außergewöhnliches Ereignis

Die Erziehungsberechtigten haben die Leiterin des Kindergartens von jeder Verhinderung des Kindes zu benachrichtigen.


Wer ist von dieser Verpflichtung ausgenommen?

a) Kinder welche vorzeitig eingeschult werden
b) Kinder mit physischer oder psychischer Beeinträchtigung
c) Kinder, bei welchen medizinische Gründe dem Besuch eines Kindergartens
entgegenstehen
d) Kinder, bei welchen der Besuch des Kindergartens aufgrund der Entfernung
des Kindergartens von Ihrem Wohnsitz oder aufgrund der schwierigen
Wegverhältnisse zu einer unzumutbaren Belastung würde

Der Antrag zur Ausnahme vom verpflichtenden Kindergartenjahr muss von dem Erziehungsberechtigten schriftlich unter Angabe von Namen, Geburtsdatum des Kindes sowie der Begründung des Ausnahmegrundes an das

Amt der Kärntner Landesregierung
Abteilung 6
Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport
Unterabteilung Kinderbetreuung und Inspektion
Mießtaler Straße 1
9020 Klagenfurt

zur Prüfung zu übermittelt werden.

Weitere Ausnahmen sind:

a) Besuch einer gleichwertigen Einrichtung
b) Häusliche Erziehung

In diesem Fall müssen die Aufgaben und Zielsetzungen im Sinne des Gesetzes für die Schulvorbereitung in mindest gleicher Weise erfüllt werden.

Die Erziehungsberechtigten haben die Anträge für die Ausnahmen bis 31. März vor Beginn des verpflichtenden Kindergartenjahres der Landesregierung anzuzeigen.


Was wird gefördert?

Gefördert wird der Halbtagsplatz ohne Essen für die verpflichtende Bildungszeit pro Kind und Monat mit 85,- EUR (Stand Mai 2017) im Zeitraum von September bis einschließlich Juli.

Die Kindergartenleitung übermittelt der Landesregierung die Liste mit Namen und Geburtsdatum der Kinder im verpflichtenden Kindergartenjahr. Ende des jeweiligen Monats wird der geförderte Tarif von 85,- EUR von der Landesregierung an den Kindergartenerhalter retourniert, welcher diesen Betrag den Eltern rückerstattet bzw. in Abzug bringt.